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Alone in the Dark
„Und nach einer Zeit der Abneigung,begann sie das widerliche Getier zu lieben, da es ja nichts anderes gab,
das man hätte lieben können.“
(Das Buch der 1000 Ängste)
Er heißt Robert und ist ein Stück Scheiße. Anfang Fünfzig. Ca. 175cm. Weit über 100kg. Lichtes Haar. Unrasiert. Immer nach Schweiß stinkend. Der hässliche Deutsche eben, so wie sie mir von meinem Urgroßvater immer beschrieben wurden. Er hasste sie wie die Pest, jene Barbaren, die seinerzeit das friedliebende Russland überfallen hatten, doch von der heroischen Roten Armee in die Flucht geschlagen wurden. Der hässliche Robert hat nur eine positive Eigenschaft zu bieten: Reich! Er ist sehr reich! Und darum bin ich heute Abend hier.
Sie heißt (angeblich) Gwendoline und ist ein Stück Scheiße. Anfang Zwanzig. Ca. 165cm. Knapp 60kg. Blondes, gefärbtes Haar. Perfekt geschminkt. Lange, violette Fingernägel. Immer nach Jasmin duftend. So wie sie sieht eine typische Prostituierte der gehobenen Klasse aus dem Osten aus. Eine von denen, die förmlich schreien ‘Vorsicht! Ich habe eine ansteckende Krankheit!’, doch das ist mir gleichgültig. Ich bin schon lange nicht mehr auf Sex aus. Nein, ich möchte etwas anderes. Etwas Besonderes, um es positiv auszudrücken. Ich weiß, eine Nutte wie sie verachtet mich, doch ich bin reich! Sehr reich! Habe durch harte Arbeit aus meiner Ein-Mann-Firma eine mit achtundsechzig Arbeitsplätzen gemacht. Und jetzt, wo ich, der alleinstehende Erfolgsmensch, finanziell ausgesorgt habe, habe ich Zeit zu spielen ...
Es regnet, als Günther und ich aus dem BMW aussteigen. Doch das macht nichts, denn ich trage einen langen schwarzen Lackmantel. Ich trage ihn sehr häufig, denn viele Kunden geilen sich an einer schönen, jungen Frau wie mir in Lack auf und außerdem hält er mich bei Regen trocken. Wir betreten das Grundstück und gehen zur Tür. Schweigend. Mir ist nicht nach reden zumute, denn ich hasse keinen anderen Kunden so sehr wie diesen Robert mit seinen perversen Leidenschaften. Ich habe schon so manches bizarre Spiel bei Kunden mitmachen müssen. Da ist einer, der verkleidet mich immer als Schulmädchen. Dann muss ich ihm Fragen aus verschiedenen Bereichen beantworten und wenn ich versage, bekomme ich einen Klaps mit dem Rohrstock auf den nackten Po. Doch kein Problem, die Schläge sind nicht zu stark und ich schlucke vor und nach dem Besuch eine starke, eigentlich rezeptpflichtige Schmerztablette, die Günther zu Hunderten im Schrank hat. Bei einem anderen Kunden hingegen lache ich mich innerlich immer kaputt. Ich bin ungeschminkt, trage eine hässliche Kittelschürze, die Heute keine Deutsche mehr freiwillig anziehen würde, und dicke Lockenwickler. Dann brülle ich den Freier zusammen und schlage ihn. Abschließend sperre ich ihn in seine Besenkammer ein. Er hat wohl einen Mutterkomplex und will seine verkorkste Jugend nachspielen. Die Besuche bei einem zwielichtigen Zahnarzt werden allerdings immer kranker. Ich komme im typischen Outfit einer Domina und quäle ihn nach Wunsch. Die Art der Qualen wird immer schlimmer und perverser. Man darf einem normalen Menschen gar nicht erzählen, was man mit Nadel, Faden und Zange doch so alles anrichten kann. Aber in Ordnung, er leidet ja und nicht ich. Doch Heute ist es leider wieder soweit: Es geht zu Robert! Dem abartigsten Schwein von allen. Mir läuft schon jetzt, im Garten, eine Gänsehaut über den Rücken, denn ich weiß ja, was mich erwartet. Ich muss Heute bereits zum vierten Mal zu ihm. Und jedes Mal ging das Spiel länger als beim Treffen zuvor. Wie lange werde ich diesmal leiden müssen? Ich
habe Gestern noch einmal versucht Günther zu überreden, eine andere zu
schicken, doch seine Antwort ist ein Schlag in meine Magengrube gewesen.
Durch mein Fenster sehe ich mein Opfer und ihren Zuhälter, dieses Monster von über zwei Metern und über 100kg reine Muskelmasse, aus dem Wagen aussteigen. Sie trägt das typische Outfit einer russischen Prostituierten, einen glänzenden Lackmantel, doch nicht mehr lange, denn in einer halben Stunde schon wird sie etwas wirklich Erotisches tragen und das weiß sie auch, schließlich spielten wir schon dreimal. Sie betreten mein Grundstück und gehen schweigend zur Tür. Ich sehe es ihrem Gesichtsausdruck an, dass sie Ekel, Verachtung und vor allem Furcht in sich trägt. Ich freue mich, es macht mich bereits jetzt unglaublich geil, denn diese Attribute gehören einfach zu meinem Spiel. Ich bin überzeugt, dass sie gut schauspielern kann, aber ich weiß genau, dass sie sich nicht verstellt, nein, ihre Angst ist bereits jetzt, wo wir noch gar nicht angefangen haben, real. Ich habe das Spiel bereits mit zwei anderen Nutten, Teresa und Kelly, gespielt, doch beide hatten sich als Fehlschläge entpuppt. Teresa hatte sich bereits nach wenigen Minuten aufgeführt wie eine Verrückte, die aus der Klapsmühle ausgebrochen ist. Zuerst hatte sie nur wie wahnsinnig gekreischt, dann gebettelt (das hatte mich tierisch aufgegeilt) und dann hatte sie mir gedroht. Das ihr Zuhälter mir das Gesicht zerschneiden würde, wenn ich nicht aufhörte. Ich brach das Spiel dann ab. Nicht aus Mitleid, nein, ganz gewiss nicht, sondern weil ich Angst vor dem Schläger hatte, denn ich hatte ihm in der Tat das eine oder andere bizarre Detail des Spiels verschwiegen. Vielleicht hätte er mich wirklich entstellt. Kelly hingegen flippte richtig aus. Anfangs hatte sie nur geweint, doch irgendwann hatte sie wie am Spieß gebrüllt und mich zwei Stunden lang anfleht, Schluss zu machen. Als sie plötzlich abrupt verstummte, machte ich mir Sorgen, dass sie ohnmächtig geworden war, wenn nicht Schlimmeres. In diesem Moment der Unachtsamkeit entkam sie mir dann und ich sah sie nie wieder. Ich fürchte, Kelly würde selbst für eine Million Euro nicht mehr mitspielen. Doch was schert mich Kelly? Ich will Gwendoline!
Der hässliche Fettwanst öffnet, ohne dass wir hätten klingeln müssen. Ganz offensichtlich hat er schon sehnsüchtig und sabbernd auf uns gewartet. Obwohl ich ihn nicht mag, um nicht zu sagen verabscheue, grüße ich freundlich mit „Einen wunderschönen guten Abend, Herr Lehmann!“, denn ich bin seit acht Jahren in der Branche tätig und weiß, wie man den zahlenden Kunden zu behandeln hat. Gwendoline tut es mir artig nach. Ich habe sie mit strenger Hand gut erzogen. „Guten Abend, Lifeforce!“ grüßt der wohlhabende Auftraggeber mich zurück, ohne mich dabei auch nur einmal anzublicken. Die Schönheit von Gwen hat ihn bereits in ihren Bann geschlagen. „Hallo, 4749!“ Er grinst zynisch. „Schön, dass du gekommen bist, um den Rest deiner Strafe zu erhalten.“ Ich sehe in ihrem Gesicht, dass sie sich fürchtet. Sie wirkt erstarrter, als damals, als ich sie gegen ihren Willen piercen und tätowieren ließ. Doch ich sehe darüber hinweg. Ich wäre nicht dort, wo ich Heute bin, wenn ich Mitleid mit meiner Ware hätte. Dann gibt der Dicke mir einen Koffer, in welchem sich das Geld befinden dürfte. Als Gwendoline den Koffer sieht, beginnt sie zu zittern, denn beim ersten Treffen mit dem abartigen Kunden gab es für acht Stunden einen kleinen Umschlag. Beim zweiten für vierundzwanzig Stunden einen etwas größeren. Als ich sie das letzte Mal ganze drei Tage in seiner Gewalt ließ, gab es einen großen Umschlag. Da ich diesmal einen Koffer erhalte, weiß sie, dass sie diesmal wirklich reif ist. Nur meine strenge Erziehung hindert sie daran, in Panik wegzulaufen. Gutes Mädchen. „Danke,“ sage ich höflich und stoße Gwen in das Haus. „Viel Spaß mit der Ware und vielleicht bis zu einem anderen Mal, Herr Lehmann.“ Ich wende mich augenblicklich ab, denn ich muss in knapp vierzig Minuten bereits Fanja zu einem Kunden, einem Gummiliebhaber der harten Sorte, bringen. „Sie zählen nicht nach?“ ruft der Freier mir hinterher. Er wirkt fast enttäuscht. „Nein. Einen Mann wie mich betrügt man nicht,“ antwortete ich, entkomme dem Regen und setze mich in meinem teuren Wagen. Nein, einen Mann wie mich betrügt man wirklich nicht. Einer, ein einziger Kunde, hat das einmal versucht, und der wird nie mehr ohne fremde Hilfe essen, trinken oder pinkeln können. Ich verschwinde in der Dunkelheit.
„Ausziehen!“ befiehlt der Perverse streng. Sein Gesicht ist noch hässlicher als der kleine Kellerraum, in welchem wir wie üblich stehen. Wie gern würde ich mich doch widersetzen, doch ich weiß, dass er dann sofort Günther anrufen würde. Das würde dann alles nur noch schlimmer machen. Ich ziehe den nassen Regenmantel aus und lasse ihn auf den staubigen Boden fallen. Der Freier von Fanja, meiner Kollegin und Freundin, wäre vermutlich sofort in die Knie gegangen und hätte ihn geleckt, aber nein, während sie das Privileg hatte, mit einem netten Burschen Gummispiele zu spielen, bei dem sie nicht mehr als Schweiß verlieren dürfte, bin ich den kranken Gelüsten des größten Schweins im Umkreis von hundertfünfzig Kilometern auf Gedeih und Verderb ausgeliefert. „Na, weiter. Wird’s bald?“ kommandiert er. Ich ziehe meine Lederstiefel, die bis zu den Oberschenkeln reichen, aus. Schnell und ohne Verzögerung. Normale Kunden genießen es, wenn ich mich langsam von meinen Sachen trenne, aber der hier nicht. Der ist viel zu krank, um den Anblick einer nackten Frau zu würdigen. Nur eine knappe Minute später liegt daher bereits mein knallrotes Kleid aus Satin auf dem Boden. Da ich wie gewöhnlich während der Arbeit keine Unterwäsche trage, stehe ich somit splitternackt in dem kalten Kellerraum. Ich fröstele. Aus zweierlei Gründen. Wie erwartet, weiß er meine makellose Figur, die so manchen Kerl bereits um den Verstand gebracht hat, überhaupt nicht zu würdigen und gibt mir den Keuschheitsgürtel aus dickem, rostigem Metall. Voller Abneigung und Ekel lege ich das schwere Teil an, das für das Schwein zum Spiel dazugehört. „Schmolle nicht, 4749!“ grinst er mich zynisch an. „Ich will ja nicht, dass du an deine Lustgrotte kannst, wenn du früher oder später geil werden wirst.“ Als ob ich in der Hand eines hässlichen Fettwanst, der ein perverses Spiel, das an Abartigkeit kaum zu überbieten ist, mit mir spielen wird, geil werden würde. Er scheint in einer Traumwelt zu leben. Aber ich antworte besser nicht. Ich habe gelernt, den Kunden niemals während eines Meetings zurück in die Realität zu holen. Er nimmt einen Schlüssel und sperrt den bizarren Gürtel ab. Herzlichen Glückwunsch, Arschloch! Jetzt hast du das verschlossen, weshalb mich für gewöhnlich ein Mann bezahlt. Aber du bist eben kein richtiger Mann. Nein, du bist ein Schwein. Er lächelt zufrieden und wirft mir das ‘Ding’ zu. Was ist ‘das Ding’, dass ich wie immer tragen soll, um ihn anzumachen? Overall? Kittel? Sack? Ich weiß nicht, wie ich das unförmige Teil nennen soll. Nennen wir es einen ‘Kittelsack’. Groß, lang, aus grober Baumwolle, mit riesigen, schwarzen Knöpfen und Streifen. Als besondere Schikane ist auf der linken Seite ‘4749’ eingenäht, denn ich soll ja wissen, dass ich kein Mensch mehr bin, sondern nur noch eine Nummer, solange das Spiel geht. „Anziehen!“ befielt der Peiniger. „Langsam und genüsslich.“ Ich komme seiner Aufforderung nach. Muss ihr natürlich nachkommen. Ich ekele mich vor dem hässlichen Teil, dessen grober Stoff augenblicklich auf meiner Haut zu jucken beginnt. Dennoch ist die Situation fast witzig, denke ich in einem Anflug von Galgenhumor. Jeder andere Mann wäre geil, eine Frau wie mich nackt zu sehen, aber nein, das Schwein vor mir wird scharf, wenn ich einen unförmigen Kittelsack trage, der nichts von meiner tollen Figur preisgibt. Als ich angezogen bin, reicht er mir mit einem diabolischen Grinsen, das mich an den bekannten Bremer Psychopathen Professor Erdmann erinnert, das Kettengeschirr aus schwerem, teilweise angerostetem Eisen, in denen ich die nächste Zeit verbringen werde. Beim ersten Besuch wusste ich nicht, was ich machen sollte, doch diesmal, beim bereits vierten Mal, geht es schon alles viel leichter. Ich lege den großen, eisernen Ring um meine Taille und lasse ihn einrasten. Es folgen die Fußfesseln, die durch eine kurze Kette mit dem Hauptring verbunden sind. Dann die Handschellen. Natürlich sind auch sie ein Teil der ganzen Fesselvorrichtung und durch kurze Ketten mit dem Ring um meiner Taille verschweißt. Ich sehe angeekelt, wie das Schwein anfängt zu sabbern und sich sein Prügel in seiner Hose abzeichnet. Diese miese Sau. Was ist nur so geil daran, einer attraktiven Frau zu befehlen, sich selbst in Ketten zu legen? Fast wünsche ich mir, dass er mich schlagen würde. So brutal, dass eine Narbe blieb, die meinen Wert mindert. Günther würde ihn in kleine Stücke schneiden. Die gerechte Strafe für einen Sadisten wie ihn. Abschließend beuge ich den Kopf nach vorne und lege den Halsring um. Er ist das Gemeinste von allen, denn da die verbindende Kette zu dem Ring um meiner Taille sehr kurz ist, kann ich nun nicht mehr den Kopf aufrecht halten und bin gezwungen, wie eine Sklavin (machen wir uns nichts vor: Ich bin eine Sklavin!) unterwürfig auf den Boden zu blicken. „Ja ...“ haucht der Dicke und ich habe fast Hoffnung, dass er mit einer Herzattacke zusammenbricht. „Ja, das ist geil, 4749. Du bist so geil in Ketten. So unglaublich geil ...“ Dann bückt er sich und öffnet die Falltür des Kellerraums, die in die Dunkelheit führt. Augenblicklich rieche ich den widerlichen Gestank von Moder, Fäulnis, Urin und Exkremente. Mir läuft eine Gänsehaut über den Rücken.
Ich bringe sie augenblicklich in den Kellerraum, denn ich möchte nicht, dass eine Dirne wie sie durch ihre Anwesenheit die Wärme und Geborgenheit meines Heims zerstört. Nein, Dreck wie sie gehört nach unten, wo Staub, Moder und Spinnen zu Hause sind. „Ausziehen!“ kommandiere ich scharf, denn ich will keine Zeit verlieren. Wenige Sekunden später liegt ihr schwarzer Nuttenmantel auf dem Boden und ein enges, rotes Kleid sowie lange Stiefel, das typische Outfit einer Käuflichen, sind zu sehen. „Na, weiter. Wird’s bald?“ hetze ich. Die billige Kleidung beleidigt meine verwöhnten Augen. Ich hasse diesen Lack- und Lederzeug. Sie kommt meinem Befehl - natürlich - augenblicklich nach. Das muskelbepackte Monster hat sie gut dressiert. Der folgende Anblick beleidigt meine hohen Ansprüche abermals. Ein großer, im OP kreierter Busen, Haut, dessen Farbe im Solarium geschaffen wurde, Piercings durch Brustwarzen, Bauchnabel und Schamlippen, sowie ein geknebelter Frauenkopf mit dem Titel ‘Sweet Gwen’ auf dem linken Busen. Ich weiß, so eine macht so manchen Mann schwach, ich aber verabscheue solche Frauen. Doch es ist schon paradox, denn das, was ich mit ihr vorhabe, möchte ich nur mit solchen tun und nicht mit ‘dem anständigen, netten Mädchen von nebenan’. Ich nehme den wundervollen Keuschheitsgürtel und die Nervenenden in meinen Fingerkuppen beginnen zu vibrieren. Geil. Keuschheitsgürtel sind so unglaublich geil. Sie haben mich schon seit meiner Jugend fasziniert und ich liebe es, Nutten in sie zu sperren. „Schmolle nicht, 4749!“ lächele ich sie an, als sie ihn anlegt. „Ich will ja nicht, dass du an deine Lustgrotte kannst, wenn du früher oder später geil werden wirst.“ Als sie fertig ist, betrachte ich genüsslich ihr gedemütigtes Gesicht und nehme den großen, langen Schlüssel. Ich genieße die Sekunde, in der er in das Schloss eindringt, um die Schlampe ihrer Weiblichkeit zu berauben. Es ist geil. So unglaublich geil. Es ist viel geiler, mit so einem dicken Schlüssel in einen Keuschheitsgürtel einzudringen, als mit seinem Schwanz in die Möse einer attraktiven Frau. Ich werfe ihr das erotische Kerkergewand zu, denn ich kann den Anblick ihrer künstlichen Schönheit nicht länger ertragen. „Anziehen!“ befehle ich scharf. „Langsam und genüsslich.“ Wundervoll. Es ist so unbeschreiblich wundervoll, wie sie mit ihrem abstoßenden Äußeren in das Gewand schlüpft. Als sie wie befohlen bewusst langsam Knopf um Knopf schließt, spüre ich zum ersten Mal die Erektion in meiner Hose. Ja, so. So und nicht anders haben Frauen herumzulaufen. Ich sehe wieder Jeanette, Caroline, Vanessa und all die anderen Schlampen, die ich jemals in meinem Leben begehrt habe, und die alle nur über mich lachten, weil ich klein, dick und unscheinbar bin, ignorierten, dass ich ein erfolgreicher Geschäftsmann bin. Wie würden sie wohl in diesem auf der Haut kratzenden Gewand aussehen? Wie viele Minuten würden vergehen, bis der großkotzige Ausdruck von Überlegenheit aus ihren Gesichtern gewichen wäre? Obwohl die Vorstellung die verhassten Frauen, besonders die arrogante Jeanette, die immer nur in teurer, italienischer Kleidung herausläuft, in Sträflingskleidung zu sehen erregend ist, gebe ich 4749, ehemals ‘Gwendoline’, gewiss ein erfundener Name, genannt, das eiserne Trapez. Sie soll nun für alle Schlampen dieser Welt, die mich jemals gedemütigt haben, büßen. Ich kann nicht beschreiben, was in mir vorgeht, als sie sich selbst in Eisen legt. Es machte mich schon scharf zu sehen, wie sie in das erotische Kerkergewand schlüpfte, doch zu beobachten, wie sich ein Dreckstück wie sie selbst fesselt, lässt mich zum Tier werden. Am liebsten würde ich sofort in mein Schlafzimmer laufen und mich selbstbefriedigen. Aber nein, ich weiß natürlich, dass noch viel zu tun ist. „Ja ...“ hauche ich in höchstem Maße erregt, als sie endlich fertig ist und hilflos in Ketten vor mir steht. „Ja, das ist geil, 4749. Du bist so geil in Ketten. So unglaublich geil ...“ Da es weitergehen muss, beuge ich mich nach vorne und öffne die Falltür, die nach unten in die Finsternis führt, dort, wo Abschaum wie 4749 seit ihrer Geburt hingehört. Augenblicklich rieche ich den erotischen Duft von Moder, Fäulnis, Pisse und Scheiße. Ich werde immer erregter.
Ich gehe die steile Treppe, die an der Falltür befestigt ist, hinunter in die Dunkelheit. Vorsichtig, sehr vorsichtig, denn aufgrund meiner entwürdigenden Fesselung würde ich mir gewiss etwas brechen, wenn ich stürzen würde. Vielleicht sogar den Hals. Er kommt mir pfeifend hinterher. Als wir unten sind, zündet er die beiden Fackeln, die an der Wand hängen, an. Hier unten gibt es kein elektrisches Licht. Es würde ihn vermutlich in seinem bizarren Spiel stören. „Vorwärts!“ kommandiert er herrisch und stößt mich nach vorn, so heftig, dass ich beinahe zu Boden gegangen wäre. Wir gehen die knapp zehn Meter durch den matt erleuchteten Gang. Spinnweben huschen durch mein Gesicht, doch ich kann sie nicht wegwischen. Der Gestank, der furchtbare Gestank, beginnt mich bereits jetzt, nach wenigen Minuten, zu quälen. Obwohl ich weiß, welche Grausamkeit mich am Ziel erwartet, bin ich dennoch froh, als wir an der schweren Eisentür angekommen sind, denn jeder Schritt mit den schweren Ketten ist eine Tortur, die man nur nachvollziehen kann, falls man selbst einmal in Ketten gelegt worden ist. Es ist einfach unmenschlich. Sadistisch. Trotz der schlechten Lichtverhältnisse sehe ich das teuflische Grinsen in seinem Gesicht, als er das große Schloss öffnet und die drei dicken Riegel entsichert. Dann zieht er die Tür, die sich mit einem knarrenden Geräusch, welches mich an einen Sargdeckel erinnert, auf. Ich starre in die totale Finsternis. „Du kennst die Spielregeln noch?“ fragt er mich. Beinahe hätte ich gelacht. Könnte ich jemals vergessen, was mich erwartet? Die drei Sessionen bei ihm verfolgen mich noch Heute in meinen schlimmsten Albträumen. Er wird mich in das kleine Verlies, vielleicht zwei Meter lang, einen breit und eineinhalb hoch, sperren. In dem Kerker gibt es nichts, aber auch gar nichts außer Stroh, Staub, Dreck, Spinnen und Kellerasseln. Absehen von dem kleinen Wasserhahn, aus dem staubig schmeckendes Wasser kommt. Kein Stuhl, kein Tisch, kein Bett. Nichts. Von einer sanitären Anlage ganz zu schweigen. Ich werde mich auf den dreckigen Boden hocken müssen. Dann werde ich warten. Warten, bis meine ‘Haftzeit’ zu Ende ist. Die Zeit vertreiben werde ich mir, indem ich versuche, so gut es die schweren Ketten erlauben, das Ungeziefer, das über mich laufen wird, zu vertreiben. Das wird dann alles sein, was ich tun kann. Perverses Schwein! Schmore in der Hölle, Robert Lehmann! „Rein!“ befiehlt er. Ich trete ein. Zitternd. Ängstlich. Mit den Tränen kämpfend. Als ich hinter mir erneut das Knarren höre, das Zeichen, dass er mich wegsperren will, jaule ich unwillkürlich „Nein! Bitte, bitte nicht!“ und beginne zu weinen. Ich wollte es nicht, doch es ist passiert. Ich ärgere mich, denn ich weiß, dass dieser Sadist nicht den Hauch von Mitleid mit mir hat und sich über mein Leid freut. Ich wollte stark sein, doch ich konnte nicht. Zu grausam ist das Schicksal, das mich in den nächsten Tagen erwartet. „Oh ... Keine Tränen bitte. Sie sind eine Vergeudung wertvollen Leidens,“ antwortet er erwartungsgemäß. Dann schlägt er die Tür zu und ich höre, wie er sie verriegelt. Ein paar heftige Herzschläge später entfernen sich seine Schritte. Ich bin lebendig begraben.
Sie geht vorsichtig die Stufen hinunter in den schmalen Gang, der in ihren Kerker führt. Der devote Gang, ängstlich und gebückt, vermischt mit dem wundervollen Gestank von Schweiß, Pisse und Scheiße, macht mich so unglaublich an. Ich zünde die beiden Fackeln an. Augenblicklich erwacht die Finsternis zum Leben. Es sind Spinnen. Es sind die Spinnen, die an den Wänden und der Decke hängen und in ihren klebrigen Fallen auf Beute warten. Ob die wundervollen Geschöpfe ahnen, dass sie in 4749 eine neue Mitbewohnerin bekommen haben? „Vorwärts!“ befehle ich meinem persönlichen Kerkerhäftling und schubse sie nach vorn. Ich gehe pfeifend, sie stolpert eher, durch den schmalen Gang und wir kommen schließend an der Kerkertür an, die ich mit Freuden öffne. Der Ausdruck in 4749 Augen wird immer ängstlicher. Gleich, gleich wird sie betteln. Davon bin ich fest überzeugt. „Du kennst die Spielregeln noch?“ will ich wissen. Sie antwortet nicht. Doch das ist mir gleichgültig. Spätestens wenn ihr Körper beginnt auszutrocknen und ihre Zunge anschwillt, wird sie sich an den Wasserhahn erinnern. Sie wird ihn betätigen und Wasser trinken. Wasser aus dem Bottich, in den ich regelmäßig spucke und in dem totes Ungeziefer schwimmt. Als Krönung habe ich Vorgestern sogar in ihn uriniert. „Rein!“ befehle ich, der dominante Kerkermeister. Sie tritt ein. Als ich die dicke Tür schließen will, wirbelt sie herum. Nicht willig, sich ihrem unausweichlichem Schicksal zu beugen. „Nein! Bitte, bitte nicht!“ fleht sie erwartungsvoll und bricht in Tränen aus. Ich höre sie nicht. Nein, ich höre Jeanette, Carola und Vanessa. ‘Robert ist dumm!’ ‘Robert ist dick!’ ‘Robert ist hässlich!’ Diese Schlampen! Diese verdammten Schlampen! Nun müssen sie büßen, für all das, was sie mir jemals angetan haben. Büßen in Gestalt dieser jungen Russin. Sie trägt nun das Leid aller Schlampen dieser Welt auf ihren schmächtigen Schultern. „Oh ... Keine Tränen bitte. Sie sind eine Vergeudung wertvollen Leidens!“ antworte ich nur und schließe die Tür, welche ich mit Freude sichere. Dann gehe ich den Gang zurück zur Treppe, denn sie soll ja allein sein. Allein in der Dunkelheit.
Ich bin allein. Ganz allein auf der Welt. In einem dunklen Universum, in welchem es keine anderen Menschen gibt außer mir. In einem wirklich dunklem Universum. Ich meine nicht die vermeintliche Dunkelheit einer Straße bei Nacht, denn der Mond, die Sterne, Laternen, das Licht in den Häusern, alles spendet Helligkeit. Doch ich befinde mich in einer richtigen, frustrierenden Dunkelheit. Nichts, aber auch gar nichts spendet Licht, an welchem ich mich orientieren könnte. Ich lasse mich resignierend auf den dreckigen Boden fallen. Täusche ich mich, oder fangen bereits jetzt, nach wenigen Minuten in Ketten, meine Glieder an zu schmerzen? Ich versuche das Drücken meiner Muskeln auf die Knochen zu ignorieren, doch es fällt mir schwer. So unendlich schwer. Wie lange diesmal? Lieber Gott im Himmel, wie lange diesmal Dunkelheit, Schmutz, Gestank, Ungeziefer, Urin und Exkremente in der Kleidung, schmutziges Wasser und Hunger? Fürchterlichen Hunger, denn ich werde den Abfall, den er mir früher oder später durch den kleinen Spalt in der Tür schieben wird, gewiss nicht anrühren. Also wie lange nun? Mit Schrecken denke ich daran, dass das perverse Schwein Günther diesmal einen ganzen Koffer voller Geld gab. Ich beginne zu schwitzen. Man schwitzt sehr schnell in einem kleinen Raum voller abgestandener Luft. Doch es gibt etwas, dass mich hoffnungsvoll in die Zukunft blicken lässt. Günther sagte mir ‘Das ist deine letzte Session, Gwendoline!’. Ich arbeite jetzt seit drei Jahren für ihn und er hat mich immer schlecht behandelt. Gerade die ersten sechs Wochen waren die Hölle, denn er hat mich, das hübsche, junge Mädel, das als vermeintliches Kindermädchen nach Deutschland gelockt wurde, ganz gezielt gebrochen. Schläge, Psychoterror, Schlafentzug, Vergewaltigung. Er hat damals nichts ausgelassen. Günther ist ein Schwein! Für ihn sind meine Freundinnen und ich nur Ware, aber ... aber er lügt nicht! Das wissen wir alle. Wenn Günther sagt, dies ist meine letzte Session, ist es auch meine letzte. Das lässt mich hoffen. Ein Lächeln in der Dunkelheit! Ich beginne mich, so gut es die Ketten erlauben, zu jucken, denn der grobe Leinen des Kittelsacks kratzt so fürchterlich. Ich versuche den Gestank, den Schweiß und das Jucken zu ignorieren und konzentriere mich auf das, was ich tun werde, wenn ich das Verlies wieder verlasse. Aufrecht verlassen, ohne Tränen in den Augen, denn die Befriedigung, mich gebrochen zu haben, werde ich meinem Peiniger nicht gönnen. Ein gutes Essen, ohne im Geringsten auf Kalorien zu achten, eine Dusche, eine Fußmassage und schließlich eine kleine Reise in die Sonne. Ich möchte endlich einmal in ein Paradies wie Gran Canaria, Mallorca oder gar Australien fliegen. Ich habe in meinem dreckigen Heimatort Murmansk ja nie das Privileg besessen, eine schöne Landschaft genießen zu dürfen. Habe immer nur Schmutz, Elend und Gewalt gesehen. „Wie lange? Wie lange diesmal?“ frage ich mich wieder. Diesmal laut.
Sie ist wundervoll. So unbeschreiblich wundervoll, wenn sie in ihrem bezaubernden Kerkergewand in den Ketten auf dem Boden liegt. Mich machen diese - vermeintlich - hässlichen Kittel tierisch an. Mehr, als jede erotische Unterwäsche es je könnte. Ich genieße ihren erotisches Anblick in vollen Zügen. Kein Problem, denn in dem Verlies ist eine Infrarotkamera angebracht, ich kann sie daher die ganze Zeit beobachten. Mir entgeht nichts, aber auch gar nichts von ihrem Leid. Es ist jetzt schon geil, aber so richtig freue ich mich auf die Momente, in denen sie den Fraß, den selbst ein Hund stehen lassen würde, fressen wird, weil sie vor Hunger Magenkrämpfe bekommen hat. Oder wenn sie sich in die Kleidung kackt. Natürlich wird sie das nicht wollen, aber was soll sie machen? Die Ketten erlauben es ihr nicht, das Gewand abzulegen. So. So hat eine Frau behandelt zu werden. So und nicht anders. Ich zünde mir eine Zigarre an, trinke von meinem Whisky und blicke fasziniert in den Bildschirm. Frauen in Ketten im Kerker haben mich seit meiner Jugend, als die Hänseleien all der Nutten dieser Welt begannen, fasziniert. Ich ließ keinen Film zum Thema aus. Das Internet leitete eine Wende in meinem Leben ein. Ich unterhielt mich mit Gleichgesinnten und knüpfte erste Kontakte. Irgendwann erfuhr ich, dass man für gutes Geld Heute alles bekommen kann. Alles. Und so bekam ich 4749. Meinen persönlichen Kettenhäftling. Was geht wohl gerade in ihrem Kopf vor? Sie denkt doch bestimmt an den Koffer voller Geld und fragt sich, wie lange sie im Kerker schmachten wird. Was nimmt sie sich wohl gerade vor? Nicht zu pissen? Nicht zu scheißen? Nicht das ekelerregende Wasser zu trinken? Nicht den Fraß zu essen, den ich ihr in zwei Tagen vorsetzen werde? Wie lange glaubt sie durchhalten zu können? Oh, wenn du wüsstest, 4749. Wenn du wüsstest ...
Ich bin kurz eingeschlafen, oder sagen wir besser, kurz eingenickt, denn man kann nicht schlafen, wenn schwere Ketten zu einer unnatürlich Haltung zwingen, es stinkt, man voller Schweiß ist und diverses Ungeziefer über einen läuft. Alles tut weh. Alles! Mein gesamter Körper scheint nur noch aus Schmerzen zu bestehen. Rebelliert gegen die unnatürliche Haltung, die ich aufgrund der schweren Ketten und der Enge meines Kerkers einnehmen muss. Aber das Schlimmste sind die Fratzen! Die grauenvoll entstellten Fratzen, die in der Dunkelheit auftauchen und mich ankreischen. Ich weiß, sie sind nicht real und dennoch martern mich ihre Schreie. Wie lange? Wie lange schmachte ich schon? Es kommt mir vor wie Wochen, doch realistisch gesehen werden es nur ein oder zwei Tage sein. Ich habe hier unten in der Finsternis natürlich kein Zeitgefühl, doch ich habe bereits viermal von dem widerlichen Wasser getrunken. Die ersten beide Male habe ich mich übergeben müssen. Zu widerlich war der Geschmack. Das dritte Mal nicht mehr. Zum Schluss schmeckte es wie normales Mineralwasser. Der Mensch gewöhnt sich schnell. Uriniert habe ich natürlich auch. Ich habe gar nicht dagegen angekämpft, denn es war mir natürlich schon vorher klar, dass ich nicht tagelang im Verlies hocken kann, ohne zu urinieren. Sorgen macht mir mein Darm. Das wird wirklich entwürdigend werden. Ein Laut! Vernahm ich eben einen Laut? Ja. Schritte. Er kommt! Ich weiß, er wird mir gleich vergammelte Essenreste oder etwas in der Art durch die kleine Luke durch die Tür schieben. Ich werde sie natürlich nicht anrühren. Dennoch freue ich mich über seinen Besuch, denn bei unser letzten Session bekam ich nur einmal zu Essen. Da ich fürchte, diesmal doppelt so lange bleiben zu müssen, habe ich somit die Hälfte der Leidenszeit wahrscheinlich schon fast hinter mir. Wie erwartet schiebt er eine knappe Minute später etwas durch die Luke. Keine Ahnung was es ist, denn ich kann ja nicht die Hand vor Augen sehen. Aber es ist garantiert so eine Art Brei und ich möchte nicht wissen, womit er ihn versetzt hat, um seine sadistischen Triebe zu befriedigen. „Bastard!“ brülle ich aus Leibeskräften. „Du elender Bastard!“ Warum auch nicht? Die Zeit meiner Kerkerhaft ist zweifelsohne vorab mit Günther besprochen worden, er kann sie durch meine Beleidigung nicht verlängern. Außerdem bin ich laut meinem Zuhälter ja zum letzten Mal zu ihm gebracht worden. Seine Antwort ist das gleichgültige Pfeifen. Er pfeift, als würde er einem Hund sein Fressen geben. Doch ich bin kein Hund. Nein, ich bin viel weniger wert. Ein Haustier würde man mit Sicherheit nicht so fesseln und in einen kleinen, stinkenden Raum für ein paar Tage sperren. Ich höre wie er sich entfernt. Das kriegt er zurück! Ich schwöre bei allem was mir heilig ist, das kriegt er zurück! Ich werde mir früher oder später einen reichen Deutschen angeln, der mich freikauft. Das dürfte mir bei meiner Figur und meinem Charme nicht schwer fallen. Es wird schon irgendwann klappen. Dann werde ich sein Geld dazu verwenden, das perverse Schwein, das mich hier gefangen hält, fertigzumachen. Ich kenne da ein paar harte Jungs, für die es eine natürliche Sache ist, Leute die Knochen zu brechen, wenn sie ausreichend dafür bezahlt werden. Und ich werde sie fürstlich bezahlen. Ich nehme den Napf, auf dem sich irgend etwas Übelriechendes befindet, und kippe seinen Inhalt in mein Gebrochenes. Dort gehört er hin und bestimmt nicht in meinen Magen. Warte, Lehmann. Warte nur. Ein paar Tage noch wirst du perverses Stück Scheiße deinen Spaß haben, doch früher oder später kommt meine Revanche. Ganz gewiss.
Ich bin ausnahmsweise großzügig. Da ich so unglaublich viel Spaß mit ihr auf dem Bildschirm habe, bringe ich ihr aus Dankbarkeit bereits nach sechsunddreißig Stunden etwas zu Essen. Ich habe einen Hamburger gebraten, diesen gut durchgekaut und dann eben nicht heruntergeschluckt, sondern in den Napf gespuckt. Das Zerkaute habe ich dann mit Essig und einem verfaulten Ei versetzt. Als Sahnehäubchen gibt es etwas frischen Speichel. Ein fürstliches Mal für einen Kerkerhäftling. Als ich vor der schweren Eisentür stehe, bin ich geneigt, sie süffisant zu fragen, wie es ihr denn geht, doch ich verkneife es mir, denn Kerkerhaft bedeutet die totale Isolation. Sie soll keine menschliche Stimme mehr vernehmen. Nein, dieses erstrebenswerte Privileg bleibt ihr fortan verwährt. „Bastard! Du elender Bastard!“ höre ich sie voller Hass brüllen. Wundervoll. Es ist so wundervoll, die Aggressivität in ihrer lieblichen Stimme zu hören. Sie klingt genau wie Jeanette. Gut so. Ich schiebe ihr das Festmahl in ihr Gemach. Dann entferne ich mich schnellen Schrittes, denn ich will wieder ihr Gesicht auf dem Bildschirm sehen. Ihr neues Gesicht. Verwischte Schminke, rote Augen und zerzauste Haare.
„Mutti! Mutti! Mutti!“ heule ich nach der vielleicht einzige Person auf der Welt, die mich jemals aufrichtig geliebt hat. „Mutti, hilf mir. Bitte, hilf mir!“ Doch Mutti kann mir nicht mehr helfen, denn sie ist seit fast fünf Jahren tot und begraben. Ich bin ebenfalls begraben. Doch ich habe nicht das Glück tot zu sein. „Ich will raus!“ schreie ich, obwohl ich weiß, dass mich niemand hört. „Bitte, bitte, bitte. Lass mich raus!“ Dann kommt Antwort. Doch nur von den widerlichen Fratzen in der Dunkelheit, die immer realer werden und mich verspotten. Sich an meiner Pein ergötzen. Ich halte es nicht mehr aus. Ich halte es wirklich nicht mehr länger aus in diesem Sarg. Sämtliche Knochen tun weh. Meine Haut ist an den Gelenken von den Ketten aufgerissen. Ungeziefer hat sich in mein Haar genistet. Mein Körper ist ganz wund von dem Urin und den Exkrementen. Und ich habe Hunger. Entsetzlichen Hunger! Die drei spärlichen Portionen habe ich längst vom Fußboden gekratzt. Essen! Essen! Essen! Herr im Himmel, ich brauche etwas zu essen. Ich habe schon versucht etwas Nahrung zu fangen, doch das Ungeziefer ist schnell. So unsagbar schnell. Wie lange? Wie lange noch? Ich bin doch bestimmt schon eine Woche hier. Lieber Gott, schon eine ganze Woche in dieser Hölle ... Wie viel Kerkerhaft hat das Schwein bekommen für das viele Geld im Koffer? Ich wage mir darauf keine Antwort zu geben. Denn ich halte es einfach nicht mehr aus. Wenn ich noch eine weitere Woche hier, in diesem menschenverachtenden Loch, schmachten muss, werde ich mich mit schweren Depressionen anschließend ärztlich behandeln lassen müssen. Bei einem ganzen Monat würde man mich bestimmt in eine Sanatorium stecken, eingequetscht in eine Zwangsjacke. „NEIN! NEIN! NEIN!“ Ich darf gar nicht daran denken, die Vorstellung, hier in diesem Dreckloch vielleicht einen ganzen Monat schmachten zu müssen, ist zu grausam. Ich möchte weinen, doch ich kann nicht, denn ich habe keine Tränen mehr. Ich krieche zur Tür und kratze an ihr. Immer und immer wieder. Ich habe mir schon alle Nägel abgebrochen, doch das ist mir vollkommen gleichgültig. Ich muss hier raus. Muss das Eisen zerkratzen. Auch wenn es unmöglich ist, ich muss es versuchen. Ich muss etwas machen, irgend etwas, Hauptsache etwas tun, sonst verfalle ich dem Wahnsinn. Ich muss raus. Raus! Raus! Raus! „Erbarmen. So hab doch Erbarmen ...“ winsele ich in der Dunkelheit.
Sie ist schön. So unbegreiflich schön. Es ist endlich soweit! Sie ist keine richtige Frau mehr. Jetzt ist sie wirklich das, was ich wollte. Ein Kerkerhäftling in Ketten, den man nicht mehr als Mensch bezeichnen kann. Zur Zeit kratzt sie an der Tür, während ich zuvor genießen konnte, wie sie den Putz von den Wänden kratzte, um diesen zu essen. Glaubt sie wirklich, dass sie die schwere Eisentür zerkratzen kann? Kann man überhaupt so töricht sein? Nein. Das muss wohl der erste Anflug von Wahnsinn sein. Doch eintretender Wahnsinn bereits nach zwei Wochen? Ich hätte ihr doch ein wenig mehr Durchhaltevermögen zugetraut. Freute mich darauf zu sehen, wie sie langsam, ganz langsam, zerbricht. Wenn sie jetzt schon fertig ist, wie wird es ihr dann erst in zwei Monaten gehen? Wird sie dann überhaupt noch klar denken können? Und ich wage mir gar nicht auszumalen, was in zwei Jahren sein wird ... Ich trinke von meinem Whisky.
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